Krankenpflegeverein Markgröningen e.V.

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Titelseite der Markgröninger Nachrichten von Freitag, 30. Oktober 2020: Begrüßung des neuen Geschäftsführers der Sozialstation Markgröningen

Bürgermeister Rudolf Kürner und Thomas Bräckle, 1. Vorsitzender des Krankenpflegevereins, heißen Herr Kevin Erlenmayer als neuen Geschäftsführer der Sozialstation Markgröningen herzlich willkommen. Bereits seit Juli hat Herr Erlenmayer die Aufgaben des Geschäftsführers übernommen und ist derzeit auch für andere Sozialstationen tätig.

Die vielen Synergieeffekte und die ähnlichen Aufgabenbereiche in den Sozialstationen sind für ihn bei den täglichen Aufgaben sehr von Vorteil. Die Sozialstation Markgröningen gGmbH (SOMA) wurde im Jahr 2006 vom Krankenpflegeverein Markgröningen e.V. und der Stadt Markgröningen als eigenständige Einrichtung gegründet. Mehr Informationen zur SOMA finden Sie unter www.soma-home.de

Bericht zum Vortrag „Organspenden“ von Allgemein- und Palliativmediziner Wolfgang Kleinert am 07.10.2019 im evangelischen Gemeindehaus

Vor einer erfreulich großen Zuhörerschaft refererierte Herr Wolfgang Kleinert in sehr kompetenter, anschaulicher und engagierter Weise über das komplexe und sensible Thema „Organspenden“. In seinen Eingangsworten bedauerte er, dass das Thema durch vereinzelte Unregelmässigkeiten bei der Verteilung von Organspenden in eine nicht angemessene Schieflage geraten sei, die in der Bevölkerung - zusätzlich zu den schon bestehenden Bedenken - zu einer weiteren Verunsicherung geführt hat.

Herr Kleinert ging zunächst kurz auf die ethische und religiöse Bewertung von Organspenden ein - interessant dabei war, dass keine der großen Weltreligionen Organspenden grundsätzlich ablehnt -um dann die aktuelle politische Diskussion zu beleuchten und anschließend auf die medizinischen Fragen, insbesondere die Frage „Wann ist ein Mensch tot?“ und damit die deutsche Definition des Hirntodes einzugehen. Dieser Bericht wird sich deshalb auch in diese beiden Teile gliedern.

Über die momentan auf dem Organspende-Ausweis basierenden Regelungen spannte er dann den Bogen zu den geplanten Änderungen: die von Gesundheitsminister Spahn und dem SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach vorgeschlagene „doppelte Widerspruchslösung“, nach der künftig jeder Bundesbürger über 16 Jahre und wie bisher ohne eine Altersbeschränkung möglicher Organspender sein soll – sofern er nicht ausdrücklich widerspricht oder seine Angehörigen nach Eintritt des Hirntods keine ablehnende Willenserklärung des Betroffenen geltend machen. Diese Regelung gilt bereits in den Niederlanden, Spanien, Österreich und vielen anderen Ländern.

Dem steht ein Entwurf einer Gruppe um die Linke-Vorsitzende Katja Kipping und die Grünen-Chefin Annalena Baerbock entgegen, bei dem Organspender ihre Bereitschaft zur Organspende weiterhin ausdrücklich erklären müssen. Die Bürger sollen aber öfter und eindringlicher auf das Thema angesprochen werden sollen, z. B. bei der Abholung eines Personalausweises, beim Erwerb des Führerscheins oder alle zwei Jahre von ihren Hausärzten, denen die Kassen die entsprechenden Beratungsgespräche vergüten sollen, oder letztendlich durch die Krankenkassen selbst.

Beide Gruppen fordern die Einführung eines „Online-Registers“, in dem - unabhängig von den beiden unterschiedlichen Modellen - die jeweiligen Willenserklärungen, mögliche Änderungen und Einschränkungen der Spendebereitschaft nur auf bestimmte Organe erfasst werden sollen. Damit würden die Organspendeausweise überflüssig.

Unbestritten ist, dass dringend etwas passieren muss: in Deutschland herrscht ein eklatanter Mangel an Organspenden. Im Jahr 2018 wurden bundesweit bei 955 Hirntoten Organe entnommen; das waren statistisch 11,5 Organspender pro einer Million Einwohner. In Spanien hingegen kommen 46,9 Organspender auf eine Million Bürger. Was bemerkenswerter Weise auch dazu führt, dass Deutschland eine „Organspende-Importland“ ist, denn die Verteilung und Verwendung der Organspenden wird nach Dringlichkeit europaweit durch die Stiftung Eurotransplant , an der acht europäische Länder beteiligt sind, entschieden und Deutschland profitiert dabei von der höheren Spendenbereitschaft in den anderen sieben Ländern.

In seinem Vortrag berichtete Herr Kleinert auch über einige zu begrüssende Änderungen, die mit dem 2. Transplantationsgesetz im April bereits verabschiedet wurden und zumindest eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Organentnahmen bedeuten: so werden in den Krankenhäusern sog. „Transplantationsbeauftragte“ eingesetzt, die mögliche Organspenden prüfen und in die Wege leiten können. Auch wenn es so nicht publiziert wurde, scheiterten Organentnahmen in der Vergangenheit nicht selten an Kosten(übernahme)fragen, denen die Krankenhäuser aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Wege gingen. Inzwischen ist es so, dass die Kliniken, die Organentnahmen vornehmen, besser vergütet werden und ihr Aufwand vollständig erstattet wird. Nicht zuletzt soll mit einem speziellen Rufbereitschaftsdienst für Neurologen und Neurochirurgen erreicht werden, dass zu jeder Zeit der Hirntod eines Patienten festgestellt werden kann. Dieser soll gewährleisten, dass auch in kleineren Krankenhäusern jederzeit qualifizierte Ärzte bei der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls zur Verfügung stehen.

Damit kam Herr Kleinert zum medizinischen Teil seines Vortrages. Ein großer Hinderungsgrund für Organspenden ist die Angst, dass Organe – und übrigens auch Gewebe - entnommen werden, bevor der Spender tatsächlich tot ist oder lebenserhaltenden Maßnahmen sogar schon früher abgebrochen werden. Dazu ist zu sagen, dass bei Organspendern die intensivmedizinische Versorgung sogar länger erfolgt, um die Funktion der Organe aufrecht zu erhalten.

Organspendendürfen in Deutschland nur dann durchgeführt werden, wenn der Hirntod zweifelsfrei festgestellt wurde. Dabei ist der Hirntod der unumkehrbare Ausfall aller Hirnfunktionen, d. h. des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Sämtliche lebenserhaltende Funktionen, die Atmung, das Bewusstsein und Sinneswahrnehmungen finden nicht mehr statt: „Bei einem Hirntod ist es ausgeschlossen, dass jemand je wieder erwacht“. Der Hirntod eines Patienten muss von zwei erfahrenen Ärzten unabhängig voneinander innerhalb von mindestens zwölf Stunden eindeutig festgestellt werden.

In anderen Ländern ist die Definition des Hirntodes und damit die mögliche Entnahme von Organen bei weitem nicht so weitreichend: in der Schweiz gilt ein Patient nach einem 10-minütigen Herzstillstand als hirntot; in Spanien genügt nur der Ausfall des Hirnstamms, um einen Patienten für hirntot zu erklären. Wichtig ist zu wissen, dass bei Organentnahmen das jeweilige Landesrecht gilt, was bedeutet, dass bei einem deutschen Organspender in einem Krankenhaus in der Schweiz die dort geltende Definition angewendet wird.

Nach einer regen Frage- und Diskussionsrunde kamen alle Beteiligten zu dem Ergebnis, dass – unabhängig von den unterschiedlichen politischen Modellen, der medizinischen Definition zum Hirntod, die immer wieder auch durchaus kritisch hinterfragt wird, die Entscheidung zur Organspende allein und ohne Einschränkung bei jedem Einzelnen und seiner Bewertung der Dinge liegen muss.

Die Hospiz-Gruppe und der Krankenpflegeverein danken Herr Kleinert für seinen sehr informativen und kurzweiligen Vortrag und den zahlreichen Zuhörern für Ihren Besuch und die rege Beteiligung.

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